Letzte Änderung: 10.08.2010
Die Datenlage zu Einträgen aus Biozidanwendungen und zur Belastungssituation von Gewässern ist zurzeit noch sehr dünn und häufig auf einzelne Beispiele beschränkt. Somit sind auch Aussagen über die Auswirkungen von Bioziden auf aquatische Ökosysteme im Moment äußerst schwierig. Erschwerend kommt hinzu, dass viele Biozid-Wirkstoffe nicht ausschließlich als Biozide, sondern auch in anderen Anwendungen, z. B. im landwirtschaftlichen Sektor, eingesetzt werden. Somit können sich die Einträge aus verschiedenen Quellen im Gewässer auf-summieren.
Im vorliegenden Bericht werden die biozidrechtlichen Grundlagen, der Stand des Zulassungsverfahrens für Biozid-Wirkstoffe und -Produkte und Schnittpunkte zu anderen Umweltgesetzen vorgestellt. Anhand von Beispielen werden zudem Informationen zu Eintragspfaden von Bioziden, Belastungssituationen und Auswirkungen dargestellt. In einem abschließenden Ausblick wird der Handlungsbedarf aufgezeigt.
Silber wird aufgrund seiner bakteriziden Eigenschaften bereits in zahlreichen Produkten des täglichen Lebens sowie der Medizin eingesetzt und gewinnt noch zunehmend an Bedeutung. Dabei können Produkte Silber in gelöster, kolloidaler oder nanopartikulärer Form enthalten, wobei die Silberpartikel wiederum in freier oder gebundener Form vorliegen können. Durch das erhöhte Interesse am Einsatz von Silberionen ist deren potentieller Eintrag in die Umwelt von Bedeutung. Nur durch Kenntnis potentieller Eintragspfade und Abschätzung von entsprechenden Konzentrationen können gegebenenfalls notwendige Maßnahmen eingeleitet werden.
Ziel des Projektes war es, das Risiko eines Silbereintrages in die Umwelt abzuschätzen. Hierzu wurden folgende Informationen erhoben: Produkte und Einsatzmengen; Verbleib in der Umwelt; Verhalten in der Umwelt; Ökotoxikologische Daten zu Silberverbindungen und Silbernanopartikeln. Auf Basis dieser Informationen wurde eine erste Risikoabschätzung durchgeführt und Wissenslücken aufgezeigt. Es wurden zahlreiche Wissenslücken identifiziert. Dies gilt für die Einsatzmenge von Silber in Produkten sowie Form und Höhe des Eintrags aus den Produkten in die Umwelt. Speziell das Wissen zur Ökotoxizität von Silbernanopartikeln und zum Verhalten von Silber bei sich veränderten Umweltbedingungen (z. B. Abbau von organischer Substanz, pH-Wert Veränderung) ist gering.
Das Risiko einer Resistenzbildung von Mikroorganismen durch verstärkten Umwelteintrag von Silber kann ebenfalls nicht beurteilt werden. Aufgrund der vorliegenden, lückenhaften Daten zeigte sich, dass ein Umweltrisiko durch den erwarteten Silbereintrag vermutlich gering, aber nicht gänzlich auszuschließen ist.
In der vorliegenden Machbarkeitsstudie sollte geprüft werden, ob geeignete und umsetzbare Prüfkriterien für biozidfreie Antifoulingprodukte aufgestellt werden können. Hierbei standen vor allem mögliche Wirksamkeitsnachweise und der Ausschluss gefährlicher Inhaltsstoffe im Vordergrund. So könnte für die Verbraucher (Sportbootbesitzer, Reeder, Behörden, Marine) eine Kauforientierung hinsichtlich eines umweltfreundlichen, aber auch wirksamen Produkts gegeben werden.
Die zunehmende Besorgnis über die humantoxischen und ökotoxischen Eigenschaften der in Gebrauch befindlichen Biozide hat vor dem Hintergrund der EU-Biozid Richtlinie zu intensiven Forschungsanstrengungen zur Entwicklung von umweltfreundlicheren und biozidfreien Alternativprodukten geführt. Die aktuellen Forschungs- und Entwicklungsrichtungen werden im Bericht zusammengefasst dargestellt. Aktuell ist schon eine Reihe von biozidfreien Produkten sowohl für den Berufsschifffahrts- als auch für den Sportbootbereich auf dem Markt. Die in den TNsG der EU-BRL beschriebenen Wirksamkeitsnachweise für Antifouling-Produkte werden zusammengefasst dargestellt und geprüft, welche auf biozidfreie Produkte anwendbar sind. Es wird ein positives Votum für die Schaffung eines Umweltzeichens für biozidfreie Antifouling-Systeme abgegeben.
Das Chemikaliengesetz fordert, dass die Zulassungsstelle für Biozide "Informationen über physikalische, biologische, chemische und sonstige Maßnahmen als Alternative oder zur Minimierung des Einsatzes von Biozid-Produkten“ der Öffentlichkeit zur Verfügung stellen soll. Im Rahmen des Projektes wurde eine Machbarkeitsstudie zur Unterstützung dieser Informationspflicht erstellt. Ziel war es, das sehr breit gestreute Wissen über Anwendungen von Biozid-Produkten oder deren Alternativen zu bündeln und die Grundlagen für ein Informationssystem zu schaffen, wobei der unterschiedliche Informations- und Beratungsbedarf der künftigen Nutzer berücksichtigt wurde.
Das Ergebnis zeigt, dass die Umsetzung der Informationspflicht über ein Informationssystem, dessen Kernbereich aus einem eigenen Webportal und Printmedien (Cross Media Publishing) besteht, sinnvoll ist. Neben biozidfreien physikalischen, biologischen und chemischen Alternativen sollte ein Fokus auf der Beschreibung vorbeugender Maßnahmen liegen. Trotz der sehr heterogenen Anwendungsbereiche von Biozid-Produkten und der unterschiedlichen Nutzergruppen können die vorhandenen Informationen in einer gemeinsamen Struktur erfasst werden.
Es wird empfohlen, bei der Realisierung ein Content Management System zur Verwaltung und Pflege der Informationsangebote und der Inhalte der Webseite zu verwenden, ein Betreiberkonzept umzusetzen, das die Einsetzung eines Lenkungsausschusses und seiner Geschäftsstelle unter Beteiligung aller zuständigen Bundesbehörden vorsieht und parallel hierzu ein Qualitätsmanagement in Anlehnung an ISO 9001 aufzubauen. Für einige Anwendungsbereiche ist ein nur Internetgestütztes Informationssystem nur wenig geeignet, das Informationsdefizit der Akteure zu reduzieren. Hier wären eher Multiplikatoren anzusprechen. Die Zielgruppen und Informationsinhalte sind daher für jeden Anwendungsbereich zusammen mit den Akteuren zu bestimmen.
Seit geraumer Zeit werden besonders für Sportboote Anstriche mit Nanomaterialien als Alternative zu biozidhaltigen Antifouling-Schiffsanstrichen propagiert und auch bereits eingesetzt. In dem vom UBA in Auftrag gegebenen Gutachten wird ein Überblick über die in Deutschland eingesetzten Antifouling-Anstriche mit Nanomaterialien und deren Mengen gegeben und ein Versuch unternommen, die Risiken der Produkte vorläufig einzuschätzen. Auf dem Sportbootmarkt wurden im Mai 2010 14 nanotechnologische Antifoulingbeschichtungen und Beschichtungen zur Verminderung des Reibungswiderstands gefunden. Für den Markt der Berufsschifffahrt wurden 4 Antifoulingsysteme und ein Epoxid-Silikon-Hybrid-System gefunden. Neben nanotechnologischen Beschichtungen für den Endverbraucher werden für die Beschichtungsstoffhersteller Nanomaterialien für die Formulierung von Antifouling-Produkten angeboten. Hierzu zählen biozid wirkende Stoffe wie nanopartikuläres Kupfer, Zink und Silber sowie Additive wie Siliziumdioxid und Titandioxid.
Gerade auf dem Sportbootmarkt werden diese Produkte sämtlich als biozidfrei und damit als umweltfreundliche Alternative zu den bisherigen biozidhaltigen Antifoulingbeschichtungen ausgelobt. Damit versprechen diese Produkte mehr als sie halten können: Eine fundierte ökotoxikologische Risikoabschätzung für Nano-Schiffsanstriche ist wegen der unzureichenden Datenlage derzeit nicht möglich. Aber auch die Wirksamkeit konnte für diese Produkte noch nicht ausreichend belegt werden. Darüber hinaus enthalten sie z.T. selbst Biozide. Einige dieser als „Co-Biozide“ eingesetzten Stoffe wie z. B. Silber oder Zinkoxid sind nach Biozid-Recht bisher nicht als Wirkstoffe in Bootsanstrichen zulässig. Nur wenige Hersteller geben überhaupt an, nanopartikuläres Silber einzusetzen, weisen dieses aber nicht als Biozid aus
Nach dem derzeitigen Kenntnisstand können diese nanopartikulären Systeme daher nicht als biozidfreie Alternativen empfohlen werden.