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Letzte Änderung: 16.12.2011
Die Feldphase des deutschen Teils der Europäischen Human-Biomonitoring Studie DEMOCOPHES konnte inzwischen erfolgreich abgeschlossen werden. Näheres zu DEMOCOPHES erfahren Sie hier.
Human-Biomonitoring (HBM) ist ein Werkzeug zur Erfassung der Belastung des Menschen mit Schadstoffen, das in der Umwelt- und der Arbeitsmedizin verwendet wird. Im Human-Biomonitoring werden menschliche Gewebe und Körperflüssigkeiten untersucht, um ihre Belastung mit Schadstoffen zu bestimmen. So wird zum Beispiel analysiert, wie viel Blei bei Einzelpersonen oder Bevölkerungsgruppen im Blut vorhanden ist.
Die europäische Umwelt- und Gesundheitspolitik misst diesem Werkzeug für die Bestimmung der Umweltbelastung der Bevölkerung eine große Bedeutung bei. Die bisherigen oder noch andauernden HBM-Studien mehrerer europäischer Länder behandeln jedoch unterschiedliche Fragestellungen; die angewandten Verfahren sind nicht einheitlich und die erstellten Daten daher oft nicht vergleichbar. Aus diesem Grund hat die Europäische Kommission im Jahr 2004 in ihrem Aktionsplan „Umwelt und Gesundheit 2004 – 2010” die „Entwicklung eines kohärenten Vorgehens zum Biomonitoring in Europa” als ein Ziel benannt.
Seit dem Frühjahr 2005 ließ sich die Generaldirektion Umwelt der Europäischen Kommission von einer Expertengruppe unterschiedlicher Disziplinen aus 17 Staaten der europäischen Gemeinschaft und Kroatien fachlich beraten. Diese Gruppe, die „Implementation Group on HBM” (IG-HBM), wurde technisch unterstützt durch das EU-Projekt ESBIO („Expert team to Support BIOmonitoring in Europe”). IG-HBM und ESBIO entwickelten Vorschläge für Richtlinien und Verfahrensprotokolle zur harmonisierten Durchführung eines gesamteuropäischen HBM-Programms. Die Implementation Group hatte darüber hinaus den Auftrag, die Kommunikation zwischen nationalstaatlicher Politik und Europäischer Kommission zu unterstützen. Das UBA hat sich an beiden Arbeitsgruppen aktiv beteiligt.
Seit Dezember 2009 wird diese Arbeit durch COPHES ( Consortium to Perform Human Biomonitoring on a European Scale) fortgeführt. COPHES ist eine Arbeitsgruppe, die 35 Forschungsteams aus 24 EU-Mitgliedsstaaten sowie Kroatien, Norwegen und der Schweiz vereinigt. Das Konsortium wird die Fortführung der Harmonisierung des Human-Biomonitoring in Europa dadurch erreichen, dass es konkrete einheitliche Arbeitsanweisungen für die Durchführung von HBM-Studien in Europa ausarbeiten wird. Die einzelnen Mitgliedsstaaten werden diese Arbeitsanweisungen dann nur noch übersetzen und an länderspezifische Gegebenheiten anpassen.
Ein weiterer Schritt in Richtung Harmonisierung erfolgt durch die Erstellung von Verfahrensanweisungen für die Durchführung eines ersten Europa weiten Pilotprojektes (DEMOCOPHES). In dieser Pilotstudie werden in 16 Mitgliedsstaaten jeweils 120 Kinder zwischen 6 und 11 Jahren und ihre Mütter auf verschiedene Umweltschadstoffe untersucht. Im Urin wird der Gehalt des Schwermetalls Cadmium und des Nikotinabbauprodukts Cotinin gemessen. Außerdem werden Metabolite (Stoffwechselprodukte) der wichtigsten Weichmacher von Kunststoffen, der Phthalate, bestimmt. Zusätzlich wird in einer Probe des Kopfhaares der Quecksilbergehalt ermittelt.
Die Pilotstudie liefert Erfahrungen zur Durchführung von harmonisierten HBM-Studien in vielen europäischen Ländern und bereitet Entscheidungen zur Machbarkeit einer komplexeren europäischen HBM-Studie vor. Eine gesamteuropäische HBM-Studie könnte dazu beitragen, umfassende Politikempfehlungen zur Verringerung der Umweltbelastungen der Bürger in Europa zu geben.
Das Projekt endet im November 2012. Bis dahin werden die beteiligten Länder die harmonisierten Arbeitsanweisungen (Instrumente) testen und eine Perspektive für eine EU-weite Implementierung des HBM als Instrument des Umwelt- und Gesundheitsschutzes erarbeiten.
Weitere Informationen zum COPHES-Projekt sind auf der Internet-Seite www.eu-hbm.info zu finden.
Wie auch in der Implementation-Group und im ESBIO-Projekt, wirken Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Umweltbundesamtes im COPHES- und DEMOCOPHES-Projekt mit. Dabei können sie auf langjährige, umfangreiche Erfahrungen mit bevölkerungsbezogenem Human-Biomonitoring zurückgreifen: In Deutschland gab es in den vergangenen 20 Jahren wiederholt Umwelt-Surveys, also repräsentative Studien zur Belastung der Bevölkerung mit Umweltschadstoffen. Zusätzliche Beiträge, insbesondere zur Lagerung der Humanproben, kann die UBA-Arbeitsgruppe aus den Erfahrungen mit der Umweltprobenbank einbringen, dem zweiten groß angelegten Instrument zur Bewertung von Schadstoffbelastungen von Mensch und Umwelt in Deutschland.