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Gesundheit und Umwelthygiene

Bewertung des Risikos von umweltbedingten Gesundheitsbelastungen

Letzte Änderung: 10.08.2010

Die Gesundheit wird von vielen Faktoren aus der Umwelt beeinflusst. Zu diesen Faktoren gehören die vom Menschen vorwiegend oder teilweise gestaltete und veränderte Umwelt (soziale, psychische, chemische, physikalische und biologische Faktoren) und im weitesten Sinne auch die genetischen (erblichen) Grundlagen. Im engeren Sinne umfasst der Umweltbezug chemische, biologische und physikalische Einwirkungen, die sich nachteilig auf die Gesundheit auswirken können.

Das daraus entstehende Risiko hängt von der Exposition (Höhe der Dosis oder Konzentration, Zeitdauer der Einwirkung), den Eigenschaften der Stoffe oder sonstiger Schadfaktoren und der Empfindlichkeit der exponierten Personen ab.

Die tatsächliche, wahrscheinliche oder mögliche Exposition spielt dabei eine wesentliche Rolle. Die tatsächliche Exposition kann theoretisch für Einzelpersonen bestimmt werden, aber schon für Gruppen geht das nicht mehr. Je nach angestrebtem Schutzniveau kann eine durchschnittliche Exposition oder ein sehr ungünstiger Fall („worst case”) als Grundlage genommen werden. Die Expositionsschätzung auf der Grundlage bekannter oder angenommener Verteilungen (Probabilistik) liefert realitätsnähere Ergebnisse, benötigt aber mehr Daten.

Wenn ausreichende Kenntnisse über den Zusammenhang zwischen Exposition und Wirkung vorliegen (Dosis-Wirkungs-Kurve), kann die bei einer bestimmten Exposition zu erwartende Wirkung quantitativ vorhergesagt werden. Dabei muss berücksichtigt werden, dass je nach Alter, Geschlecht und möglichen Vorschädigungen bei gleicher Exposition unterschiedlich große Wirkungen auftreten können. Daher werden üblicherweise „Sicherheitsfaktoren” bzw. „Unsicherheitsfaktoren” für anzunehmende individuelle Unterschiede und „Extrapolationsfaktoren” für die Übertragung auf andere Gegebenheiten eingeführt. Aus einer Konzentration oder Dosis mit eben noch oder eben nicht mehr beobachteter Wirkung wird mit diesen Faktoren eine sichere oder wenigstens vertretbare Konzentration oder Dosis abgeleitet (vgl. Richtwerte für die Innenraumluft).

Im Idealfall kann eine Dosis oder Konzentration angegeben werden, unterhalb derer keine nachteiligen Wirkungen auftreten. Dies klingt zunächst klar und einfach, ist es aber leider nicht. Welche Wirkungen nicht nachteilig sind, ist nicht eindeutig zu entscheiden, und wenn keine Wirkungen beobachtet worden sind, bedeutet das nicht unbedingt, dass mit anderen Untersuchungsmethoden oder unter anderen Randbedingungen sich ebenfalls keine Wirkungen gezeigt hätten.

Ob es überhaupt Dosen oder Konzentrationen von möglicherweise schädlichen Stoffen oder Einwirkungen gibt, die unter allen denkbaren Umständen keine unerwünschten Wirkungen mehr zeigen, ist unklar. Bei Feinstaub und bei Ozon hat sich gezeigt, dass der Verlauf der Konzentrations-Wirkungs-Beziehung auch bei sehr geringen Konzentrationen keine „Wirkungsschwelle” zeigt. Das bedeutet, dass ein gewisses Risiko immer vorhanden ist. Das Ziel kann unter diesen Umständen nicht sein, jegliches Risiko auszuschalten, sondern „nur”, das Restrisiko vertretbar gering zu halten. Auch bei krebserzeugenden Stoffen ist dies so.

In der Praxis orientiert man sich üblicherweise an bestimmten Vorgaben, die z. B. als Grenzwerte, Richtwerte oder Referenzwerte vorliegen können. In Grenz- und Richtwerten sind die hier genannten grundsätzlichen Überlegungen üblicherweise berücksichtigt, so dass man davon ausgehen kann, dass gesundheitliche Gesichtspunkte mit eingeflossen sind. Referenzwerte beschreiben dagegen nur den „üblichen” Zustand, geben also direkt keine Auskunft über Schädlichkeit oder Unschädlichkeit. Als „üblich” wird dabei meist das angesehen, was für 95 % (der Bevölkerung) zutrifft; bei den obersten 5 % geht man also von einer „unüblichen” Belastung aus, wobei die Vermutung naheliegt, dass diese Belastung vermeidbar sein sollte, weil sie ja bei dem überwiegenden Teil der Bevölkerung nicht in diesem Maße auftritt.

Für die subjektive Bewertung spielt offensichtlich die (vermutete oder tatsächliche) Möglichkeit, selbst zu entscheiden, ob man ein bestimmtes Risiko eingeht, eine große Rolle. Es ist oft erstaunlich, welch große Risiken (Übergewicht, Bewegungsmangel, Rauchen) mehr oder weniger freiwillig hingenommen werden, während „fremdverursachte” Risiken (z. B. durch „die Industrie”) ungleich schärfer bewertet werden.

Insgesamt muss man akzeptieren, dass sich jede Bewertung auf Voraussetzungen und Annahmen stützen muss, die nicht alle „objektiv” begründbar sind. Deshalb ist für jede Bewertung auch die Angabe der Gründe wichtig, damit die Bewertung nachvollziehbar wird.

 

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