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Letzte Änderung: 10.08.2010
Behörden und andere öffentliche Einrichtungen haben, trotz zahlreicher
Aktivitäten zum Beispiel im Rahmen der lokalen Agenda 21, bislang eine eher
untergeordnete Rolle in der Diskussion über eine nachhaltige Entwicklung
in Deutschland gespielt. Die Umsetzung einer nachhaltigen und dauerhaft umweltgerechten
Entwicklung ist aber eine Herausforderung, der sich auch und gerade die öffentliche
Hand stellen muss. Denn auf den öffentlichen Sektor entfällt ein bedeutender
Anteil am Bruttosozialprodukt: Allein das Auftragsvolumen des öffentlichen
Beschaffungswesens entsprach im Jahr 2002 wertmäßig rund 14% des Bruttosozialprodukts.
Damit verbunden ist ein erheblicher Ressourcenverbrauch: So sind den Organisationen der öffentlichen Hand ca. fünf bis sechs Prozent des Endenergieverbrauchs in Deutschland und sieben Prozent des aus dem öffentlichen Netz bezogenen Trinkwassers zuzurechnen. Die korrespondierenden Umweltentlastungs- und Einsparpotenziale sind dabei enorm: beim Stromverbrauch werden sie auf mindestens zehn Prozent und bei der Heizenergie auf 25 bis 60 Prozent des Gesamtverbrauchs geschätzt. Beim Wasserverbrauch und beim Abfall wurden in Einzelfällen Kostenreduktionen von 45 bis 50 Prozent erreicht. (Siehe UBA-Texte 8/99: "Umweltcontrolling im Bereich der öffentlichen Hand (Vorstudie)".)
Darüber hinaus lassen sich durch Lenkung der öffentlichen Nachfrage auch indirekt Umweltentlastungseffekte erzielen, indem vorzugsweise umweltgerecht erzeugte Produkte beschafft und Umweltaspekte bei der Beauftragung von Dienstleistungen berücksichtigt werden.
Umweltmanagementsysteme schaffen die Voraussetzungen dafür, diese Handlungspotentiale in Behörden und öffentlichen Einrichtungen systematisch, eigenverantwortlich und effektiv zu nutzen. In besonderem Maße ist dazu das anspruchsvolle europäische Umweltmanagementsystem EMAS (Eco-Management and Audit Scheme) geeignet. EMAS gibt über die entsprechenden Steuerungs-, Regelungs- und Kontrollmechanismen einen Rahmen vor, wie die Beachtung von Umweltaspekten in die eigene tägliche Arbeit integriert und der betriebliche Umweltschutz kontinuierlich verbessert werden kann. Dabei werden nicht nur die internen Arbeitsabläufe, sondern auch indirekt umweltrelevante Wirkungen des Verwaltungshandelns im Umweltmanagement berücksichtigt.
Gerade EMAS kann daher einen wichtigen Beitrag zur Verwirklichung einer nachhaltigen Entwicklung im Bereich der öffentlichen Hand leisten. Vor diesem Hintergrund hat der Deutsche Bundestag mit einem Beschluss vom April 2000 (Drucksache 14/2907) die Bundesregierung aufgefordert, dieses Potential zu nutzen und Umweltmanagementsysteme nach EMAS und/oder ISO 14001 in allen größeren Liegenschaften und Organisationseinheiten des Bundes einzuführen.
Bundesumweltministerium und Umweltbundesamt wollen die Anwendung und Verbreitung des Umweltmanagements in der öffentlichen Hand fördern und unterstützen. Dazu wurde ein Pilotprojekt zur Einführung von EMAS in öffentlichen Einrichtungen des Bundes gestartet. In den teilnehmenden Behörden werden in einem gemeinsamen Implementierungsprozesses („Konvoiverfahren“) – mit Unterstützung durch BMU, UBA und externe Beratung – Umweltmanagementsysteme nach EMAS eingeführt. Die Einführungsphase soll im ersten Halbjahr 2004 abgeschlossen werden.
Die Ergebnisse des Pilotprojekts bilden auch die Grundlage für die Einführung von EMAS im Bundesumweltministerium am Hauptssitz in Bonn, mit der noch 2003 begonnen werden soll. Das Umweltbundesamt betreibt bereits – als erste Bundesbehörde – ein Umweltmanagementsystem nach EMAS und ISO 14001 an seinem Hauptsitz am Bismarckplatz in Berlin, und auch der Standort Berlin-Spandau verfügt über ein nach ISO 14001 zertifiziertes Umweltmanagement. Weitere Standorte, 2003 die Außenstelle in Langen bei Frankfurt (Main), werden schrittweise in das Umweltmanagement einbezogen.
Die Ergebnisse des Pilotprojekts werden in Form konkreter Arbeitsmaterialien, erfolgreicher Anwendungs- und Umsetzungsbeispiele aus den teilnehmenden Behörden sowie weiterer Informationen im Rahmen dieses Internetangebots veröffentlicht. Das Bundesumweltministerium und das Umweltbundesamt wollen damit eine praxisnahe Hilfestellung für die Einführung und Nutzung von Umweltmanagement schaffen, und dieses Angebot schrittweise ausbauen. Angestrebt wird dabei auch eine Verknüpfung mit ähnlichen Aktivitäten in Kommunen und Ländern.