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Wasser, Trinkwasser und Gewässerschutz
CyanoCenter am Umweltbundesamt
Letzte Änderung:
08.01.2013
Forschung und Beratung über toxische Cyanobakterien
Risikobewertung, Analytik, Management
Cyanobakterien kommen in Oberflächengewässern häufig vor. Viele von
ihnen produzieren Giftstoffe – Cyanotoxine – die das Trinkwasser belasten und
eine Gesundheitsgefährdung bei der Freizeitnutzung von Gewässern
darstellen. Daher sind Cyanotoxine ein
wichtiger Schwerpunkt des Umweltbundesamtes, um Maßstäbe
für eine sichere Trinkwasserversorgung und Badegewässernutzung zu schaffen. Basis für diese
Arbeit ist eine langjährige Forschungstätigkeit über toxische Cyanobakterien
und Cyanotoxine, Möglichkeiten ihrer Entfernung in der Trinkwassergewinnung
sowie ihrer Vermeidung durch Ressourcenschutz.
Als CyanoCenter berät und unterstützt das
Umweltbundesamt bei der Analyse und gesundheitlichen Bewertung des Vorkommens
möglicherweise toxischer Cyanobakterien sowie bei der Entwicklung und
Optimierung von situationsangepassten Überwachungsprogrammen und Strategien zur
Beherrschung des Problems.
Normungsorientierte Leistungen
- Mitwirkung an der kontinuierlichen Fortentwicklung der
WHO-Leitlinien für Trinkwasserqualität (Guidelines for Drinking-water Quality) im Bereich Cyanotoxine
- Mitwirkung an methodischen Normierungen (z. B. ISO Methode zur Microcystinbestimmung)
- Durchführung von Ringversuchen zur Microcystinbestimmung
- Beratung von Empfehlungen zu Cyanotoxinen in den Trink- und
Badewasserkommissionen des Umweltbundesamtes
Wissenschaftliche Leistungen
- Forschung zur Klärung offener Fragen über toxische Cyanobakterien
in Deutschland, zuletzt zum Vorkommen des bislang in Deutschland wenig
untersuchten Cyanotoxins Cylindrospermopsin,
zur Bewertung weiterer, toxikologisch wenig charakterisierter Cyanobakterienstoffe
(PEPCY) und zur Wirksamkeit
der Langsamsand- und Uferfiltration in der Entfernung von Cyanotoxinen;
- wissenschaftliche Koordination von WHO-Fachmonographien, zurzeit zu
den Themen „Toxic Cyanobacteria in Water” und „Protecting Surface
Water for Health”.
Nationale
und internationale Zusammenarbeit
- Fachliche Beratung und wissenschaftlich-technische Unterstützung
von Wasser- und Gesundheitsbehörden in Deutschland und in weniger
entwickelten Ländern zum Vorkommen und Bewertung von Cyanotoxinen, zum Beispiel in Bangladesch
- Mitarbeit bei der Vorbereitung regelmäßig stattfindender internationaler Konferenzen über
toxische Cyanobakterien (z. B. August 2007 in Brasilien)
Gültige Regularien zur Überwachung von
Gewässern und Trinkwasser auf Cyanotoxine
Im
Unterschied zu anderen Ländern (s.u.) wurden in Deutschland keine gesetzlichen
Grenzwerte für einzelne Cyanotoxine festgelegt, da die Überwachung von Gewässern
und Trinkwasser auf Cyanotoxine nach gegenwärtigem Kenntnisstand nicht
angemessen in allgemeingültige Regularien zu fassen ist. Ein Grund ist, dass
zahlreiche Cyanotoxine vorkommen, über die nicht genügend toxikologische Information
vorliegen, um Grenzwerte festlegen zu können. Ein weiterer Grund ist, dass ihr Vorkommen im
Gewässer sehr rasch variieren kann, z. B. in dem sogenannte „Wasserblüten” an der Gewässeroberfläche durch Wind verdriftet
werden.
Auch
ohne Grenzwerte verlangen die geltenden Regularien Maßnahmen zum Schutz vor dieser
Gefährdung:
- Im Trinkwasser dürfen Stoffe nicht in
Konzentrationen vorkommen, die ggf. gesundheitsschädlich sein könnten
(siehe Trinkwasserverordnung, § 6).
- Für Badegewässer regelt § 8 die EU Badegewässerrichtlinie, dass bei
Hinweisen auf Cyanobakterien eine „geeignete Überwachung” durchzuführen
ist, um Gefahren für die Gesundheit „rechtzeitig zu erkennen” und
unverzüglich „angemessene Bewirtschaftungsmaßnahmen zur Vermeidung einer
Exposition” von Menschen zu ergreifen.
Die
allgemein gehaltenen Aussagen dieser Regularien lassen hinreichenden Spielraum,
um vor Ort die für die jeweilige Situation wirksamsten Maßnahmen zu treffen. Die
Bausteine dafür sind Risikobewertung, Risikomanagement sowie ggf. eine Routineüberwachung.
Die
Risikobewertung beginnt mit Screening-Untersuchungen, um festzustellen, welche Cyanobakterien
im jeweiligen Gewässer vorkommen, ob sie Cyanotoxine produzieren und falls ja, ob
gesundheitsschädliche Konzentrationsbereiche zu erwarten sind. Ergeben sich
daraus Hinweise auf ein Risiko, so gilt es, ein für die jeweilige Situation
angepasstes Routineprogramme zur Überwachung auf Cyanobakterien und Cyanotoxine
zu etablieren und für Akutsituationen kurzfristige Schutzmaßnahmen zu treffen –
z. B. die vorübergehende Sperrung von Badestellen oder die Überprüfung und ggf.
Optimierung der Trinkwassergewinnung und –aufbereitung. Zu einem nachhaltigen
Risikomanagement gehören jedoch Maßnahmen, die an der Ursache des Problems
ansetzen, d.h. Schutz und Bewirtschaftung der Gewässer so, dass ein Auftreten
der (toxischen) Cyanobakterien minimiert wird.
Leistungen des CyanoCenters
(je nach Umfang gegen
Kostenbeteiligung)
I. Beratung
- zum Vorkommen von
Cyanobakterien, insb. bei Vermutung von Cyanotoxinen;
- zur Bewertung des
Gesundheitsrisikos;
- zum Risikomanagement
und zu Maßnahmen zur Beherrschung des Risikos:
- zu Überwachungsstrategien,
Screening-Programmen und analytischen Methoden;
II. Cyanotoxinanalytik
und Bestimmung toxinproduzierender Cyanobakterien
- Qualitative und
quantitative mikroskopische Bestimmung der Cyanobakterien;
- Cyanotoxinanalytik
(insb. Microcystine und Cylindrospermopsin).
Weitere Informationen
Weiterführende Informationen
Risikobewertung, Risikomanagement, Regularien
Internationale Bewertungen, Leitlinien und Regelungen
- Current Approaches to Cyanotoxin Risk Assessment, Risk Management and Regulations
Informationsmaterialien
Analytik
- ISO 20179 (2005): Water Quality – Determination of microcystins – Method using solid phase extraction (SPE) and high performance liquid chromatography (HPLC) with ultraviolet (UV) detection
- Ringversuch zur Microcystinbestimmung
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