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Wasser, Trinkwasser und Gewässerschutz

Stoffhaushalt Gewässer

Letzte Änderung: 04.10.2010

  1. Ein wesentliches Ziel ist sowohl die Erfassung von Emissionen kommunaler und industrieller Direkt- und Indirekteinleiter als auch von Emissionen aus diffusen Quellen, sowie die Erarbeitung von Kriterien und Maßnahmenplänen zur Reduzierung dieser Emissionen. Darüber hinaus werden die Immissionen als Einträge über die Flüsse in die Meeresumwelt auf der Basis der länderspezifischen Überwachungsprogramme zusammengestellt und bewertet. Die Umsetzung dieser Aufgabe erfolgt unter Mitarbeit in der Europäischen Kommission, den Internationalen Flussgebietskommissionen (IKSR, IKSE, IKSD, IKSO), sowie der OSPAR- und Helsinki-Kommission. Ein Schwerpunkt stellt die international vergleichbare Quantifizierung der Emissionen und Immissionen von Nährstoffen, Schwermetallen und gefährlichen Stoffen dar. Dies bedarf einer Harmonisierung der methodischen Ansätze sowohl in den Flussgebiets- als auch den Meeresschutzkommissionen.

    Ein aktueller Schwerpunkt ist Mitarbeit bei der Erarbeitung von europäischen Leitlinien zur Erstellung der in der Richtlinie 105/2008/EG geforderten Inventare von Emissionen, Einleitungen und Verlusten der prioritären Stoffe. Diese Inventare sind von den Mitgliedstaaten für die regionalisiert für die Flussgebietseinheit zu erstellen. Zur Sicherstellung der Vergleichbarkeit sind rechtlich verbindliche Leitlinien zu erstellen. Parallel dazu laufen die Vorbereitungen für das erste Inventar, das im Jahre 2012 erstellt werden muss. Hierbei kann auf die Ergebnisse von Arbeiten zum Eintrag von prioritären Stoffen zurückgegriffen werden, die seit mehr als zehn Jahren durchgeführt wurden.
  2. Die nationale und internationale Entwicklung von branchen-, einzelstoff- und flussgebietsbezogenen Emissionsinventaren wird kontinuierlich weiterentwickelt und optimiert. Das Umweltbundesamt ist im Luft- und Wasserbereich als nationale Behörde zuständig für die Berichterstattung zum Europäischen Schadstofffreisetzungs- und –verbringungsregister PRTR (Pollutant Release and Transfer Register). Seit 2008 müssen Industriebetriebe jährlich ihre Schadstofffreisetzungen in Luft, Wasser und Boden sowie über die Entsorgung des Abfalls und des Abwassers außerhalb des Standortes in ein nationales Register berichten, vorausgesetzt festgelegte Schwellenwerte werden überschritten. Diese Daten werden gemeinsam mit Information zu Emissionen aus diffusen Quellen (s. auch Bilanzierungsergebnisse MONERIS) und weiteren Informationen zu Schadstoffen in die Umwelt im Internet unter www. prtr.bund.de veröffentlicht.

    Zukünftig werden Berichterstattungen zu PRTR, zur Kommunalabwasser-RL, Berichterstattung zu prioritären Stoffen enger miteinander verzahnt, um mehr Transparenz zu Umweltinformationen zu erhalten, Synergien zu schaffen, aber auch um die  Datenlage verschiedener Berichtspflichten abzugleichen. Es wird bspw. angestrebt ausgewählte Angaben zu kommunalen Kläranlagen über die PRTR Berichterstattungspflicht hinaus aus der Kommunalabwasser-RL im PRTR zur Verfügung zu stellen.

    Langfristiges Ziel ist es Informationen zu prioritären Stoffen, zur WRRL u.a. in das PRTR-Register zu integrieren und der Öffentlichkeit zur Verfügung zu stellen.

    Neben den industriellen Emissionen sollen auch andere, relevante Emissionen aus Verkehr, Landwirtschaft und Urbanisierung regionalisiert dargestellet werden. Die so gewonnenen Informationen erlauben die Weiternutzung in anderen Bereichen (z.B zur Umsetzung der Wasserrahmen Richtlinie WRRL und der Meeresschutz Richtlinie MRRL). Die Methodenentwicklung zur Verknüpfung des PRTR mit Umwelt- und Gesundheitswirkungen bildet einen besonderen Schwerpunkt.

    Die Aarhus Konvention sieht in Art. 5 Abs. 9 den schrittweisen Aufbau eines zusammenhängenden, landesweiten Systems von Registern zur Erfassung der Umweltverschmutzung in Form einer öffentlich zugänglichen Datenbank vor.

    Das Umweltbundesamt begleitet die Initiativen der Europäischen Kommission, die Berichtspflichten zu den europäischen Regelungen im Wasserbereich zu straffen und zu effektivieren.
  3. Ein wesentlicher Schwerpunkt liegt in der Weiterentwicklung von Konzepten und Maßnahmen zur Reduzierung von 33 prioritären Stoffen der Wasserrahmenrichtlinie, für die die Kommission bis zum Dezember 2003 Qualitätsnormen und Emissionsbegrenzungen für punktförmige Quellen vorschlagen muss. Die Emissionen, Einleitungen und Verluste eines Teiles der prioritären Stoffe – der prioritären gefährlichen Stoffe – sollen sogar bis spätestens in 20 Jahren beendet werden.
  4. Auf der Einsatzstoffseite werden die Ergebnisse der Arbeiten zur Prüfung der Umweltverträglichkeit von Chemikalien, die in die Gewässer gelangen, ausgewertet. Den Anwendern von Stoffen wurde durch die Entwicklung eines Leitfadens 1999  ein Instrument an die Hand gegeben, um selbsttätig umweltverträgliche Stoffe aus dem Produktangebot auswählen zu können. Aufgrund neuerer Entwicklungen im europäischen Bereich (Liste prioritärer Stoffe der Wasserrahmenrichtlinie, Weißbuch der EU-Kommission zu einer neuen Stoffpolitik in Europa) wurde der Leitfadens 2003  überarbeitet und praxisnäher gestaltet.

    Das Umweltbundesamt betreute die jährlich stattfindenden Gespräche zur EDTA-Erklärung. Diese im Jahre 1991 in Kraft getretene Erklärung (inklusive einer Zusatzerklärung aus dem Jahre 1999) beabsichtigte eine Reduzierung der EDTA-Frachten in den Gewässern um 50% bis zum Ende des Jahres 2001. 2002 wurde die Erklärung mit dem letzten EDTA-Fachgespräch abgeschlossen. Seit Beginn der Erklärung wurden die Einträge von EDTA in die Gewässer in Deutschland um 42% reduziert auf 580t/a. Da aber das Ziel der Erklärung damit nicht vollständig erreicht wurde und schwer abbaubare Komplexbildner weiterhin in teilweise erhöhten Konzentrationen in den Gewässern nachweisbar sind, sollen die EDTA-Fachgespräche als ein sehr wirkungsvolles Kommunikationsforum mit erweitertem Fokus als Komplexbildner-Fachgespräch alle 2 Jahre fortgesetzt werden.
  5. Im April 2001 wurde der Sachstandsbericht „Abtrag von Kupfer und Zink von Dächern, Dachrinnen und Fallrohren durch Niederschläge” im Rahmen der Pressemitteilung des Umweltbundesamtes „Aus Umweltsicht problematisch: Dächer und Dachrinnen aus Kupfer und Zink PDF / 175 KB” der Öffentlichkeit vorgestellt.

    Diese Publikation eröffnete lebhafte Diskussionen, die mit dem Arbeitsgespräch „Nichteisenmetalle in den Bereichen Sanitärtechnik und im Außenbereich” am 30. Januar 2002 im Umweltbundesamt fortgesetzt wurden. Das Umweltbundesamt wird auf diesem Gebiet versuchen, die bisherige schmale Wissensbasis mit Hilfe eines Forschungsvorhabens zu verbreitern.
  6. Das Umweltbundesamt arbeitet intensiv an der Entwicklung und Verbreitung von neuen Summenparametern, wie z.B. dem TNb (total nitrogen bound), und biologischen Wirkparametern, z.B. für die Bioakkumulation. Um die Arbeit des Vollzugs der Länder zu erleichtern, wurde eine Untersuchungsstrategie für gefährliche Stoffe in Industrieabwassereinleitungen erarbeitet.
  7. Hinsichtlich der Übermittlung und Auswertung von Abwasserdaten, z.B. den Abwassermengen, den Anschlussgraden der Bevölkerung und der verwendeten Abwasserbehandlungstechniken, steht das Umweltbundesamt in engem Kontakt mit dem Statistischen Bundesamt. Die Angaben des Statistischen Bundesamtes zu kommunalen und industriellen Abwasserdaten und die dem Umweltbundesamt zugehenden Daten zur kommunalen Abwasserbehandlung im Rahmen der Berichterstattung zur KommunalabwasserRL bilden die Basis für Arbeiten zu „Daten zur Umwelt”, „Umweltökonomische Gesamtrechnungen”, etc.
  8. Das Umweltbundesamt hat in einem Forschungsvorhaben einen „Maßnahmenplan Nachhaltige Wasserwirtschaft” erarbeiten lassen. Dieser enthält 74 Maßnahmen, deren Realisierung die deutsche Wasserwirtschaft dem Ziel einer nachhaltigen Entwicklung näher bringen soll. Im Frühjahr 2002 wird ein Forschungsvorhaben zu Kosten-Wirksamkeitsanalysen für diese Maßnahmen abgeschlossen werden. Die dort erhaltenen Ergebnisse können auch für die lt. Wasserrahmenrichtlinie durchzuführende Ökonomische Analyse verwendet werden.
  9. Vom Umweltbundesamt wird ein Forschungsvorhaben betreut, innerhalb dessen ein bundesweiter „Wasserführer” erstellt werden wird. Dieser Wasserführer soll analog einem Reiseführer in Deutschland sehenswerte wasserwirtschaftliche Objekte (Wassermuseen, Auenwälder, Talsperren, Wasserpfade, etc.) vorstellen. Die Öffentlichkeit soll durch diesen Wasserführer für wasserwirtschaftliche Belange sensibilisiert werden.
  10. Das Umweltbundesamt unterstützte im Rahmen von Forschungsvorhaben die Erarbeitung eines Modellsystems zur Quantifizierung der Nährstoff- und Schwermetallemissionen aus punktförmigen und diffusen Quellen in die Oberflächengewässer Deutschlands (MONERIS). Modellergebnisse liegen für den Zeitraum 1985 – 2005 vor und werden derzeit aktualisiert auf den Stand 2008. Ergebnisse zu Nährstoff- und Schwermetalleinträgen in Deutschland sind auf „Einträge in die Oberflächengewässer im Nordsee-Einzugsgebiet” einzusehen.
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